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Liebe Leserinnen und Leser von «it business – Das Schweizer Fachmagazin für ICT». Wir freuen uns, Ihnen die druckfrische Sommerausgabe 2/2026 von «it business» präsentieren zu dürfen.

Wer Daten sammelt, muss sie schützen

Liebe Leserschaft
Vor einem Monat erhielt ich eine E-Mail, die man niemandem wünscht. Ein Fotolabor teilte mit, seine Online-Fotogalerie sei gehackt worden. Betroffen seien Bilder, Namen, E-Mail-Adressen, Lieferanschriften, Bestellhistorien, Zugangsdaten und Passwörter. Die Angreifer hätten Daten heruntergeladen und anschliessend auf den Servern gelöscht. So nüchtern klingt Kontrollverlust im Jahr 2026.
In meinem Fall ging es nicht um irgendein Ferienbild, sondern um Fotos meines Kindes, aufgenommen im schulischen Umfeld, bereitgestellt in einer Online-Galerie und verknüpft mit Name, Adresse und Bestellinformationen. Natürlich ging es nicht nur um mein Kind. Es ging um viele Kinder, viele Familien und viele vollständige Datensätze, die in dieser Form nie hätten herumliegen dürfen. Kinderfotos sind keine Marketingdaten, keine Verwaltungsmasse und keine beiläufige Beilage eines digitalen Bestellprozesses.
Ich habe mir angewöhnt, keine privaten Familienfotos in irgendwelche Clouds zu laden, schon gar nicht in Plattformen, bei denen am Ende niemand genau erklären kann, wo die Daten liegen, wer Zugriff hat und wie lange sie gespeichert bleiben. Doch hier half private Vorsicht nichts. Die Schule beauftragte einen Dienstleister, der Dienstleister betrieb eine Plattform, und am Ende lagen die Bilder meines Kindes dort, wo sie offenbar nicht ausreichend geschützt waren. Genau das ist der Punkt. Dem Bürger wird seit Jahren eingebläut, er solle vorsichtig sein: starke Passwörter verwenden, keine dubiosen Links anklicken und keine Daten leichtfertig preisgeben. Alles richtig. Nur nützt diese Moralpredigt wenig, wenn Schulen, Behörden und Unternehmen gleichzeitig Daten sammeln, weiterreichen und auslagern, als handelte es sich um Büromaterial. Wer personenbezogene Daten erhebt, übernimmt Verantwortung. Wer Kinderfotos speichert, übernimmt eine besondere Verantwortung. Und wer diese Verantwortung nicht tragen kann, soll solche Daten nicht sammeln. Punkt.
Nach einem Angriff reicht es nicht, Betroffenheit zu formulieren und auf kriminelle Dritte zu verweisen. Natürlich sind Hacker schuld, aber sie sind nicht die Einzigen. Verantwortung trägt auch, wer Systeme betreibt, die solchen Angriffen nicht standhalten. Verantwortung trägt, wer Dienstleister auswählt, ohne deren Sicherheitsniveau ernsthaft zu prüfen. Verantwortung trägt, wer digitale Prozesse einführt, weil sie bequem sind, während andere das Risiko tragen.
Wir reden pausenlos über künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Effizienz. Jede neue Plattform wird begrüsst, jede App als Fortschritt verkauft, jede digitale Lösung als Entlastung gefeiert. Aber die einfachste Frage wird zu selten gestellt: Muss diese Information überhaupt gespeichert werden? Und falls ja: Wer garantiert, dass sie morgen nicht im Netz landet?
Die Antwort darf nicht länger lauten: Vertrauen Sie uns. Vertrauen ist kein Geschäftsmodell, sondern eine Bringschuld. Wer Daten will, muss Sicherheit liefern, nicht als Broschüre, nicht als Zertifikat an der Wand, sondern im Betrieb, im Alltag und im Ernstfall. Gerade bei Kindern darf es keine digitale Sorglosigkeit geben. Schulen und Dienstleister haben nicht nur Abläufe zu organisieren, sondern auch Schutzpflichten. Alles andere ist kein bedauerlicher Zwischenfall. Es ist ein Systemfehler.

Herzlichst Ihre Petra De Meo

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