Künstliche Intelligenz verändert Handelsströme, Lieferketten und Machtverhältnisse. Europa droht ins Hintertreffen zu geraten.
Eine Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade zeigt, wie stark sich die wirtschaftlichen Gewichte rund um künstliche Intelligenz bereits verschieben. Der globale Handel mit KI-relevanten Gütern ist laut Studie innerhalb von zehn Jahren von rund 1 auf 3,8 Billionen US-Dollar gewachsen. Damit entfallen inzwischen rund 15 Prozent des weltweiten Warenhandels auf KI-nahe Produkte und Infrastruktur. Für Europa ist das ein Warnsignal. Während die USA massiv in Cloud-Infrastruktur, Rechenleistung und digitale Plattformen investieren, bleibt Europa deutlich zurück. Die operative Rechenzentrums-Kapazität liegt laut Analyse rund viermal unter jener der USA. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von amerikanischen Technologieanbietern.
"Der globale KI-Wettlauf ist auch ein Wettlauf um Infrastruktur, Daten und wirtschaftlichen Einfluss", so Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Zusätzlich sieht die Analyse geopolitische Risiken in den Lieferketten. Schlüsseltechnologien wie Halbleiter, Hochleistungsspeicher und KI-Infrastruktur konzentrieren sich auf wenige Regionen wie Taiwan, Südkorea, China und die USA. Exportkontrollen, Sanktionen und politische Spannungen könnten Verfügbarkeit, Preise und Produktionsketten zunehmend beeinflussen. Auch die Industriepolitik verschärft den Wettbewerb. Laut Allianz Trade sind weltweit inzwischen mehr als 3600 industriepolitische Massnahmen mit Bezug zu KI-Technologien in Kraft. Die zentrale Botschaft der Studie: Im KI-Zeitalter zählen nicht mehr nur Effizienz und Kosten. Technologische Souveränität, resiliente Lieferketten und Kontrolle über digitale Infrastruktur werden zunehmend zu strategischen Standortfaktoren. (aso)