Die Schweizer sehen Chancen in künstlicher Intelligenz, verlangen aber Kontrolle, Datenschutz und digitale Eigenständigkeit.
Der Digitalbarometer 2026 der Stiftung Risiko-Dialog, erstellt in Partnerschaft mit Digitalswitzerland und mit Unterstützung der Mobiliar Genossenschaft, zeigt ein widersprüchliches Bild. 48 Prozent der Bevölkerung erwarten, dass die Chancen von KI in den kommenden fünf Jahren die Risiken überwiegen. Gleichzeitig bewerten 41 Prozent den Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft negativ, nur noch 34 Prozent positiv. "Wir befinden uns an einem Wendepunkt", sagt Daniela Ramp, Projektleiterin bei der Stiftung Risiko-Dialog. Angesichts des technologischen Tempos und des wachsenden Überforderungsgefühls müssten Ängste ernst genommen und digitale Kompetenzen gezielt gestärkt werden. Auffällig ist das starke Vertrauen in heimische Angebote. 83 Prozent geben an, digitalen Diensten stärker zu vertrauen, wenn diese ein "Made in Switzerland"-Label tragen. Gleichzeitig sehen 46 Prozent die digitale Unabhängigkeit der Schweiz als Schwäche. Auch beim Umgang mit KI zeigt sich ein gemischtes Bild. Viele halten sich für reflektiert, bei der praktischen Anwendung wird es dünner. 53 Prozent schätzen ihre KI-Anwendungsfähigkeiten als vorhanden ein. Rund die Hälfte weiss nicht, wo KI bereits gezielt für Betrugszwecke eingesetzt wird. 74 Prozent befürchten zudem, dass künstliche Intelligenz kreatives Denken schwächen könnte. Bei sensiblen Anwendungen wie der E-ID oder dem elektronischen Patientendossier geniesst der Staat deutlich mehr Vertrauen als private Anbieter. Gleichzeitig will die Mehrheit technologisch nicht auf der Bremse stehen: 59 Prozent sprechen sich dafür aus, neue Technologien wie KI aktiv zu fördern, statt abzuwarten. Die Botschaft ist klar: Fortschritt ja. Aber nicht um jeden Preis. (aso)