Schweizer Colocation-Kapazität wächst stark an

06. November 2020
Schweizer Colocation-Kapazität wächst stark an Bild: ISG

    Die Corona-Sonderkonjunktur setzt sich fort. Die anhaltend hohe Nachfrage nach IT-Lösungen für ortsunabhängiges Arbeiten sorgt für stabiles Wachstum auf dem Markt für private und hybride Cloud-Dienste.

    Um zeitnah passende neue Services verfügbar zu machen, steigt insbesondere auch der Bedarf an Colocation-Leistungen. Deren Kerngedanke liegt darin, dass Unternehmen ihre Server in die Rechenzentren von Service-Providern auslagern, von denen sie umfassend betrieben und gewartet werden. Dies meldet die neue Studie „ISG Provider Lens Next-Gen Private/Hybrid Cloud – Data Center Services & Solutions Report Switzerland 2020“ der Information Services Group (ISG).

    „In den vergangenen zwölf Monaten hat die Nachfrage nach Colocation-Flächen in der Schweiz enorm zugenommen“, sagt Heiko Henkes, Director & Principal Analyst bei ISG, und erläutert: „In vielen Fällen entsprechen die unternehmenseigenen Rechenzentren nicht mehr den aktuellen Anforderungen oder sind schlichtweg zu klein geworden. Vor diesem Hintergrund sorgt die Bereitstellung von Colocation-Services für neue Wachstumsperspektiven.“

    Die Colocation-Anbieter haben sich auf den Nachfrageanstieg erfolgreich eingestellt, so Henkes weiter. Zahlreiche Provider hätten neue Rechenzentren gebaut oder würden zusätzliche Kapazität bis zum Jahresende bereitstellen. Aktuell bauten vor allem ausländische Anbieter wie Interxion und NTT, aber auch der Schweizer Provider Green Datacenter. Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern würden inzwischen sogar IT-fremde Unternehmen in den assetlastigen Colocation-Markt einsteigen, so etwa Anbieter aus der Immobilienbranche. Rechenzentren entstünden dabei nicht nur in der Nähe des Austauschknotens SwissIX in Zürich, sondern auch in weiteren grösseren Wirtschaftsräumen wie etwa in Bern, Genf und Basel. Die Regionalisierung des Angebots gewänne insbesondere für all jene Unternehmen an Bedeutung, die Teile ihrer Workloads an den Netzwerkrand platzieren wollen, wo es grosse Datenmengen mit kurzen Latenzzeiten zu verarbeiten gilt. Als Beispiele für derartige Edge-Computing-Szenarien nennt die Studie IoT-Anwendungen oder auch Lösungen für das autonome Fahren. Darüber hinaus würden Unternehmenskunden vermehrt nach georedundanten Lösungen suchen, um die Ausfallsicherheit ihrer IT-Landschaften zu erhöhen.

    Colocation-Interessenten seien Anwenderunternehmen aller Grössenklassen, so die Studie weiter. Hinzu kämen Service Provider, Integratoren und Hyperscaler sowie Carrier, die ihr Netzwerk in den Rechenzentren der Colocation-Anbieter installieren, um über sogenannte Meet-me-Rooms kurzfristig Direktver¬bindungen bereitzustellen. Insgesamt sei die Bandbreite der potenziellen Nachfrager in den vergangenen 12 Monaten deutlich grösser geworden. „Viele Schweizer Unternehmen haben die Vorteile der Datenverarbeitung in der Public Cloud durchaus schon erkannt“, meint ISG-Analyst Heiko Henkes. „Ungeachtet dessen ist die Mehrzahl der Entscheider lange Zeit besorgt darüber gewesen, dass die Daten ausser Landes gespeichert werden könnten. Vor allem die beiden Hyperscaler Microsoft Azure und Google Cloud Platform sind diesen Bedenken inzwischen jedoch überzeugend entgegentreten, indem sie seit 2019 über eigene Rechenzentren in Zürich und Genf verfügen.“ Seither hätten Schweizer Unternehmen, so Henkes weiter, die Möglichkeit, skalierbare Public-Cloud-Dienste wie etwa Microsoft 365 in Anspruch zu nehmen, ohne auf die Datenhaltung in der Schweiz verzichten zu müssen. Der ISG-Analyst erwartet, dass nun mehr und mehr Colocation-Anbieter Partnerschaften mit den Hyperscalern eingehen werden, um attraktive Hybrid-Szenarien zu entwickeln.

    Zuschnitt der Studie
    Insgesamt bewerten die ISG-Analysten die Fähigkeiten von fünf Anbietern in sieben Marktsegmenten: „Managed Services für Grossunternehmen“, „Managed Services für mittelständische Unternehmen“, „Managed Hosting“, „Colocation Services“ und „Data Center Security Products“.

    Managed Services
    Die Nachfrage nach Managed Cloud Services habe bei weltweit tätigen Grosskunden ebenfalls weiter zugenommen, so die ISG-Studie weiter. Wesentliche Triebfedern des Wachstums lägen im sich weiter verschärfenden Fachkräftemangel sowie in der Notwendigkeit, Projekte zeitnah umzusetzen, die mit der Entwicklung neuer Geschäftsideen einhergehen. Hinzu käme eine schnellere Reaktionsfähigkeit auf veränderte Marktanforderungen. Diese hinlänglich bekannte Business-Anforderung habe im Zuge der Corona-Pandemie noch einmal eine völlig neue Qualität erreicht, heben die Studienmacher hervor. Vor diesem Hintergrund nähmen Managed-Service-Provider bei Aufbau und Skalierung von flexiblen Arbeitsabläufen sowie beim Management von komplexen Systemumgebungen – seien diese hybrid oder gar cloudnative – eine immer wichtigere Stellung ein.

    Managed Hosting
    Den Nachfragerückgängen der vergangenen Jahre zum Trotz käme Managed-Hosting-Angeboten weiterhin grosse und zum Teil sogar wieder steigende Bedeutung zu, so die Studie weiter. „Viele Legacy-Applikationen laufen noch nicht auf den Public Clouds dieser Welt, noch möchten bereits alle Unternehmen ihre Systeme aus den inhäusigen On-Premise-Installationen in eine Public Cloud verschieben“, erläutert ISG-Analyst Heiko Henkes und stellt in Aussicht: „Wenig Erfahrung im Aufbrechen monolithischer Architekturen sowie die Forderung nach einem adäquaten Verständnis von Edge-Computing-Szenarien, werden das zeitweise schon totgesagte Marktsegment Managed Hosting wieder aufleben lassen.“ Auch die zunehmende Standardisierung des Private-/Hybrid-Cloud-Managements sowie die immer häufiger eingesetzten HCI-Lösungen würden für eine positive Marktentwicklung sorgen, so Henkes weiter.

    Data Center Security Products
    Im Marktsegment „Data Center Security Products“ untersucht die Studie Lösungen, die Angriffen oder Bedrohungen der IT-Infrastruktur entgegenwirken. Laut Studie sind die untersuchten Security-Anbieter auf Cyber-Attacken in Rechenzentren und Cloud-Umgebungen gut vorbereitet. Ihre Produkte umfassen ein umfangreiches Sicherheitsportfolio. Dabei sei zu beobachten, dass das Angebot nicht nur quantitativ weiter zunimmt sondern gleichzeitig auch qualitativ ausreift. Eine besondere Erwähnung findet der verstärkte Einsatz von Next-Generation Firewall-Modellen und KI-gestützter Sicherheitssoftware, mit denen sich Bedrohungen in Echtzeit erkennen und automatisiert abwehren lassen.

    Platzierungen
    Der Anbietervergleich führt Everyware, IBM und Swisscom in drei Marktsegmenten als „Leader“ auf. Atos, Avectris und T-Systems werden in jeweils zwei Segmenten als „Leader“ genannt. Accenture, Axians, Bechtle, Bithawk, Broadcom/Symantec, Check Point, Cisco, DXC, Equinix, Fortinet, Green Datacenter, Interxion, Juniper Networks, MTF, Netcloud, NTT, Palo Alto Networks, Safe Host, Ti&m, Trend Micro und Trivadis sind „Leader“ in jeweils einem Marktsegment.

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