Netflix setzt generative KI breiter ein. Laut Co-CEO Ted Sarandos kamen entsprechende Workflows bereits bei rund 300 Filmen und Serien zum Einsatz.
Netflix macht aus KI kein Laborprojekt mehr. Co-CEO Ted Sarandos erklärte im Earnings-Interview zum zweiten Quartal, dass generative KI-Workflows inzwischen bei rund 300 Titeln genutzt wurden. Der Schwerpunkt liegt vor allem in der Postproduktion, also dort, wo Effekte, Bildbearbeitung und technische Abläufe viel Zeit und Geld kosten. Als Beispiel nannte Sarandos die Dokuserie «The American Experiment». Dort seien 17 Minuten Material mit KI-Unterstützung entstanden. Nach seinen Angaben dauerte die Produktion nur halb so lang und kostete rund 50 Prozent weniger als mit bisherigen Verfahren. Auch internationale Produktionen zeigen, wofür Netflix KI einsetzt. Bei der indischen Serie «Glory» und der brasilianischen Miniserie «Brasil 70: A Saga do Tri» wurden laut Berichten unter anderem Menschenmengen erweitert und historische Szenen umgesetzt. Es geht also weniger um komplett künstliche Filme als um einzelne Produktionsschritte, die schneller oder günstiger werden. Für Netflix ist das ein naheliegender Hebel. Der Konzern muss laufend neue Inhalte liefern, gleichzeitig aber die Kosten im Griff behalten. KI hilft dort, wo aufwendige Szenen sonst teurer, langsamer oder gar nicht realisierbar wären. Im zweiten Quartal kam Netflix auf 12,56 Milliarden Dollar Umsatz und 3,4 Milliarden Dollar Nettogewinn. Die operative Marge lag bei 33,4 Prozent. Der KI-Einsatz passt damit zu einem Konzern, der weiter wächst, aber bei der Produktion genauer rechnet. (aso)