Die Kantonspolizei Bern will ihr Vorgangsbearbeitungssystem Rialto bis Ende 2030 durch myABI von Logobject ersetzen.
Eine technische Migration von Rialto auf SAP S/4Hana ist damit vom Tisch. Nach einer Marktanalyse kommt für die Kantonspolizei derzeit nur myABI infrage. Die Software wird bereits von mehr als 20 Schweizer Polizeikorps eingesetzt. Die freihändige Vergabe soll in den nächsten Tagen publiziert werden. Für die Beschaffung rechnet der Kanton mit rund 8 Millionen Franken. Hinzu kommen einmalige Projektkosten von geschätzten 9,4 Millionen Franken. Eine Migration auf S/4Hana hätte laut Variantenvergleich einen ähnlich hohen Gesamtaufwand verursacht, wäre aber mit mehr Risiken und Unsicherheiten verbunden gewesen. Ganz ohne Abstriche läuft der Wechsel nicht. Die Kantonspolizei spricht selbst von einem Rückschritt beim Digitalisierungsgrad, weil Rialto über Jahre intensiv weiterentwickelt wurde. Dafür sollen die jährlich wiederkehrenden Betriebskosten mit myABI deutlich tiefer ausfallen. Rialto ist seit 2022 bei der Kantonspolizei im Einsatz und kann bis Ende 2030 weiterbetrieben werden. Die technische Grundlage SAP ICM wird jedoch künftig nicht mehr weiterentwickelt, weshalb eine Anschlusslösung nötig wurde. Das Projekt hatte den Kanton bereits zuvor finanziell beschäftigt. Von rund 23 Millionen Franken, die für die Fachapplikation bezahlt worden waren, fliessen nach der teilweisen Rückabwicklung der Verträge mit Swisscom und Deloitte knapp 10 Millionen Franken zurück. Bevor myABI eingeführt werden kann, müssen nach der Publikation der freihändigen Vergabe noch die Beschwerdefrist abgewartet und die Finanzierung sichergestellt werden. Ziel ist der produktive Einsatz spätestens Ende 2030. (pdm)