Staatliche Hacker nehmen Europas Energie- und Datennetze stärker ins Visier. Das zeigt der neue Threat Intelligence Report des Schweizer Cybersecurity-Anbieters Infoguard.
Im dritten Quartal 2026 hat sich die Lage spürbar zugespitzt. Besonders aktiv sind Gruppen aus dem Umfeld Irans, Chinas und Russlands. Gleichzeitig werden Angriffe schneller, weil immer mehr Schritte automatisiert oder mit KI unterstützt werden. In Grossbritannien musste ein kleiner Energieerzeuger nach einem Cyberangriff im Juli vier Tage lang den Betrieb einstellen. Die mutmasslichen Angreifer werden dem iranischen Umfeld zugerechnet, das nationale Stromnetz war jedoch nicht betroffen. Auch chinesische Gruppen bleiben in Europa präsent. Sie setzen häufig bei Routern, Firewalls und VPN-Systemen an und versuchen, sich möglichst unauffällig in Netzen festzusetzen. Klassische Schadsoftware spielt dabei nicht immer die Hauptrolle. Russland wiederum bleibt vor allem mit Angriffen unterhalb der Schwelle eines offenen Konflikts aktiv. Ein Angriff auf die polnische Energieinfrastruktur Ende 2025 wurde inzwischen offiziell dem russischen Geheimdienst FSB zugeschrieben. Dazu kommt ein weiterer Trend: KI hilft Angreifern bei der Aufklärung, beim Erstellen von Schadcode und bei der Automatisierung ganzer Angriffsschritte. Für Unternehmen wird es dadurch schwieriger, verdächtige Aktivitäten früh zu erkennen. Besonders gefährdet sind offen erreichbare OT-Systeme, schlecht abgesicherte Netzwerkgeräte und unzureichend segmentierte Umgebungen. Infoguard rät deshalb, nicht nur nach bekannter Schadsoftware zu suchen, sondern gezielt nach ungewöhnlichen Zugriffen und möglichen Spuren bereits erfolgter Angriffe. (lfa)