Vorausschauende Regulierung der KI

Bild: Unsplash/amanda djalborn

Typography
  • Smaller Small Medium Big Bigger
  • Default Helvetica Segoe Georgia Times

Es besteht internationaler Konsens über die Notwendigkeit regulatorischer Rahmenbedingungen und globaler Vereinbarungen, um die Vorteile der künstlichen Intelligenz verantwortungsvoll nutzen zu können. Die Schweiz ist gut positioniert, um eine global relevante Rolle für die Entwicklung und das Erproben von KI als neue Basistechnologie einzunehmen.

Die Einführung von ChatGPT als erste frei zugängliche Anwendung auf Basis generativer künstlicher Intelligenz hat eine neue Ära eingeläutet - ein „Sputnik-Moment“ mit globalen Auswirkungen auf Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Die rasante Verbreitung der generativen KI hat in weniger als zwei Jahren bereits zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten eröffnet, wirft aber auch Fragen nach der Qualität der Ergebnisse, der Verwendung der Trainingsdaten und der Einhaltung ethischer Standards auf. In diesem Kontext besteht internationaler Konsens darüber, dass regulatorische Rahmenbedingungen und globale Vereinbarungen erforderlich sind, um die Vorteile dieser neuen Basistechnologie mit einem verantwortungsvollen Umgang in Einklang zu bringen. Die EU etwa hat mit dem „AI Act“ das weltweit erste umfassende KI-Gesetz verabschiedet, das den rechtlichen Rahmen und die Anforderungen für KI-Systeme festlegt. Die Schweiz widmet sich diesem Thema mit ihrem Engagement im Europarat sowie dem Auftrag des Bundesrats an das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), eine Übersicht zu möglichen Regulierungsansätzen zu erarbeiten. Die Schweiz verfügt als erfolgreicher Wirtschafts-, Finanz- und Forschungsstandort sowie als Gastland vieler internationaler Organisationen über eine exzellente Ausgangsposition, um in dieser neuen Ära eine global relevante Rolle für die Entwicklung und das Erproben von KI einzunehmen.

Die Innovate Switzerland Community hat einen umfassenden Vorschlag für die Gestaltung der digitalen Schweiz von morgen erarbeitet. Auf Basis von Analysen und Berichten von Experten aus öffentlichen und privaten Organisationen konnten zwei zentrale Eckpunkte für eine Schweizer KI-Regulierung identifiziert werden: 

  1. Bestehende Gesetze nutzen und gezielt ergänzen: Die Schweiz verfügt bereits über eine solide rechtliche Basis, die als Grundlage für den Einsatz von KI weitgehend ausreichend ist. Es ist jedoch wichtig, die bestehenden Gesetze gezielt anzupassen und zu ergänzen, um den potenziellen Herausforderungen der neuen Basistechnologie gerecht zu werden. Dabei sollten horizontale KI-Regulierungen vermieden werden.
  2. Technologieneutralität und prinzipienbasierte Regulierung bewahren: Die Schweizer Regulierung sollte technologieneutral bleiben und sich auf allgemeine Grundsätze und Ziele konzentrieren, anstatt spezifische Regeln für einzelne Anwendungsfälle festzulegen. Dies gewährleistet Flexibilität und ermöglicht eine effektive Regulierung auch für zukünftige Technologiegenerationen.

Wissenschaft und Industrie unterstützen die Vorschläge von Innovate Switzerland:

«Das Positionspapier von Innovate Switzerland bringt die wesentlichen Fragen auf den Punkt und spricht sich zu Recht für einen eigenständigen, technologieneutralen Schweizer Ansatz aus, der im Wesentlichen auf einer Anwendung und punktuellen Anpassung des Schweizer Rechts beruht», sagt der Inhaber des Lehrstuhls für Informations- und Kommunikationsrecht an der Universität Zürich Prof. Dr. Florent Thouvenin. Und Matthias Brändle, Leiter Datenstrategie & Analytics Nearshore, die Mobiliar, hält fest: «Im lesenswerten Positionspapier von Innovate Switzerland gefällt mir insbesondere die prägnante Synthese unterschiedlicher Aspekte im Sinne einer pragmatischen und konsistenten KI-Regulierung.»

Die Innovate Switzerland Community hat ausgehend von den grundlegenden Überlegungen acht Prioritäten für den Gesetzgeber, die Wissenschaft und die Gesellschaft identifiziert, um einen sicheren und vertrauenswürdigen Rahmen für die Arbeit an und mit KI zu schaffen:

  1. Pragmatische Anpassung der nationalen Regulierung unter Berücksichtigung internationaler Entwicklungen: Die Schweiz sollte ihre Gesetze entlang der Risikodimensionen von KI überprüfen und gegebenenfalls anpassen, um Missbrauch zu verhindern und Innovationen zu fördern.
  2. Schaffung von Wissen und Entscheidungsfähigkeit: Es ist entscheidend, dass Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit über fundierte Kenntnisse im Bereich KI verfügen, um die richtigen Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI zu schaffen.
  3. Vertrauensvoller Schutz kritischer Infrastrukturen: Die Schweiz muss – international abgestimmt – Sicherheitsvorkehrungen für den Einsatz von KI in kritischen Infrastrukturen festlegen und umsetzen, um deren Widerstandsfähigkeit zu gewährleisten.
  4. Ausrichtung der Governance von Organisationen auf Transparenz und Verantwortung: Organisationen sollten Selbstverpflichtungen entlang der gesamten Technologiearchitektur beim Einsatz von KI entwickeln und umsetzen.
  5. Definition von Standards für Evaluation und Zertifizierung von KI: Es ist wichtig, technische und wissenschaftliche Grundlagen für die Bewertung und Zertifizierung von KI-Systemen und -Diensten zu schaffen.
  6. Ermöglichung von realen Testumgebungen und Förderung von Public-Private-Partnerships: Unternehmen und die öffentliche Hand sollten neue KI-Anwendungen in praxisrelevanten Testumgebungen prüfen und validieren können.
  7. Nutzung von Exzellenz für vertrauenswürdige Daten: Die Schweiz sollte sich als Handelsplatz von qualitätsgeprüften Datensätzen positionieren, um hochwertige KI-Systeme zu ermöglichen.
  8. Förderung von ESG-kompatibler KI: KI-Bewertungen sollten ökologische und soziale Dimensionen berücksichtigen, um die Entwicklung von KI-Anwendungen zu unterstützen, die im Einklang mit den ESG-Kriterien stehen.

Die Innovate Switzerland Community richtet sich mit einem Aufruf an alle Akteure in der Schweiz, gemeinsam Verantwortung für die Weiterentwicklung des Landes als innovationsfreundlicher und rechtssicherer Standort im Zeitalter der künstlichen Intelligenz zu übernehmen und die digitale Schweiz von morgen aktiv mitzugestalten. Das vollständige Papier kann hier eingesehen werden.

 

 

Wir verwenden Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind für den Betrieb der Website von wesentlicher Bedeutung, während andere uns dabei helfen, diese Website und die Benutzererfahrung zu verbessern (Tracking-Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie Cookies zulassen möchten oder nicht. Bitte beachten Sie, dass Sie möglicherweise nicht alle Funktionen der Website nutzen können, wenn Sie sie ablehnen.