Schweizer befürworten Contact Tracing per App

23. April 2020
Schweizer befürworten Contact Tracing per App Bild: Pixabay

    Sechs von zehn Menschen in der Schweiz würden ihre Bewegungsdaten auf dem Mobiltelefon zur Verfügung stellen, um die Infektionsketten des Coronavirus zurückzuverfolgen. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage.

    Zur Bekämpfung des Coronavirus wird der Einsatz von Smartphone-Apps diskutiert. Dank aufgezeichneten Bewegungsdaten könnten Menschen gewarnt werden, wenn sie sich länger in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben. Knapp zwei Drittel (64%) der in der Schweiz wohnhaften Personen im erwerbsfähigen Alter unterstützen dieses so genannte Contact Tracing, 60 Prozent würden auch ihre eigenen Bewegungsdaten für Rückverfolgungen von Infektionsketten via Smartphone zur Verfügung stellen. Die Coronakrise scheint die Menschen offener zu machen für digitale Technologien und neue Lösungsansätze.

    Für gewöhnlich sind die Menschen in der Schweiz gegenüber Eingriffen in die Privatsphäre sehr skeptisch eingestellt. Das Land hat eine lange freiheitliche Tradition und vielen ist zudem die Überwachung der Bürger während dem Kalten Krieg noch in guter Erinnerung. «Der Ausbruch des Coronavirus scheint die bei vielen Menschen in der Schweiz herrschende Skepsis gegenüber der breiten Anwendungen digitaler Technologien im Gesundheitswesen rasch aufzuweichen», kommentiert Michael Grampp, Chefökonom des Beratungsunter­nehmens Deloitte, die Resultate der über die Ostertage durchgeführten Befragung bei 1500 in der Schweiz lebenden Personen.

    Nur kleiner Teil strikte dagegen
    64 Prozent der Befragten sind gegenüber einem Contact Tracing positiv eingestellt, 30 Prozent unterstützten es vorbehaltslos, 34 Prozent sind eher dafür. Von den 36 Prozent skeptisch Eingestellten lehnt nur ein kleiner Teil (14% aller Befragten) eine anonymisierte Aufzeichnung von Bewegungsdaten zur Bekämpfung von COVID-19 rundweg ab. 22 Prozent der 1500 Befragten lehnen diese eher ab.

    Menschen unter 30 Jahren, die so genannten Digital Natives, zeigen eine leicht höhere Zustimmung (68%) zum Einsatz einer Smartphone-App zur Aufzeichnung der Bewegungsdaten. Überdurchschnittlich hoch ist die Zustimmungsrate ferner bei Personen, die in der IT-oder Telecom-Branche tätig sind (78%). «Unsere Umfrage-ergebnisse lassen darauf schliessen, dass eine intensivere Beschäftigung mit digitalen Technologien offenbar Vorbehalte abzubauen hilft», so Grampp weiter.

    Grosse Bereitschaft
    Besonders entscheidend findet Grampp auch, dass ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung nicht nur den Einsatz einer solchen App befürwortet, sondern zum allergrössten Teil auch selber mitmachen würde. «Das ist ein Zeichen dafür, dass während einer Krise die Bevölkerung grundsätzlich offener gegenüber solchen Technologien wird», so Grampp. Weiter gibt es kaum relevante Zusammenhänge zwischen den Zustimmungsraten und den Landesteilen oder der Stadt- und Landbevölkerung.

    «Ein Einsatz von Smartphone-Apps zur Rückverfolgung von Infektionsketten könnte helfen, dass das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in der Schweiz rascher wieder normalisiert werden und einer erneuten Verbreitung des Virus effizient entgegengewirkt werden», ist sich Grampp sicher.

    Schutz der Privatsphäre zentral
    Eine solche App würde einzig das Aufeinandertreffen von Menschen speichern, spätere Ansteckungen würden gemeldet und die App schlüge dann Alarm – das ist gemäss in den letzten Wochen veröffentlichen Analysen problemlos ohne Nennung von Namen oder einer zentralen Speicherung von persönlichen Daten möglich.

    «Es ist wichtig, dass bei solchen Massnahmen, die Privatsphäre der Bevölkerungen vor widerrechtlichen Übergriffen geschützt wird», erklärt Adam Stanford, Leiter Consulting bei Deloitte Schweiz. Im Zentrum stehen dabei die etablierte Bluetooth-Technologie und bewährte Verschlüsselungstechnologien. «Der Schutz der Privatsphäre muss bei der Entwicklung und dem Einsatz einer App zur Nachverfolgung von Ansteckungen oberste Priorität geniessen. Ebenso wäre die Offenlegung des Quellcodes einer solchen App sinnvoll», so Stanford.

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