Digitalisierung schafft den Menschen nicht ab

Ein Anzug aus Muskeln macht vieles wieder möglich. Ein Anzug aus Muskeln macht vieles wieder möglich. Bild: DEF/MyoSwiss

    Digitalisierung und Künstliche Intelligenz machen den Menschen nicht überflüssig. Die Referenten am 5. Digital Economic Forum (DEF) waren sich am Donnerstag in Zürich weitgehend einig, dass trotz neuen Technologien und Automatisierung auch künftig ein grosses Potential für menschliche Arbeit besteht.

    Um die technologischen Möglichkeiten der Digitalisierung optimal einzusetzen, braucht es weiterhin die Arbeits- und Denkkraft sowie die Kreativität des Menschen. Darin waren sich die Referenten am Digital Economic Forum einig. «Ich glaube, dass es den Menschen weiterhin braucht», erklärte der Abacus-Vordenker Claudio Hintermann. In einer einzigen Generation habe sich alles verändert. Allerdings entwickle sich der Mensch im Gegensatz zu Maschinen nicht laufend weiter und müsse das Gleiche immer wieder neu lernen. Gemäss Marianne Wildi, CEO Hypothekenbank Lenzburg, «verändert sich vieles und trotzdem bleibt vieles stabil. Eine coole Mischung von Mensch und Maschine ist eine coole Zukunft», ist die Bankerin überzeugt.

    Auch der Sensorikexperte, ETH-Professor Dr. Robert Riener, zeigte sich optimistisch, dass es trotz allen technischen Entwicklungen künftige noch viel Potential für menschliche Arbeit geben werde. Er zeigte eindrücklich auf, wie in der Bewegungs-Rehabilitation Roboter oder Exoskelette als Ergänzung zur konventionellen Therapie helfen, die Bewegung und damit den Heilprozess intensiver zu machen. Für Empa-Direktor und ETH-Professor Gian-Luca Bona ist menschliche Kreativität bei der Entwicklung von neuen Materialien gefordert. Er sah dabei ein grosses Potential im Machine to Machine Learning im Zusammenspiel von verschiedenen speziell ausgebildeten Fähigkeiten. Technologie- und Material-Entwicklung sowie Design hängen laut Bona eng zusammen und müssten einen geschlossenen Kreislauf bilden.

    Datenlecks, unsichere Geräte und invasive Tracker
    Einen anderen menschlichen Aspekt im Umfeld der Digitalisierung beleuchteten der deutsche Spital-Geschäftsführer Dr. Nicolas Krämer, dessen Klinik 2016 Opfer eines massiven Hackerangriffs wurde sowie Jan Schilliger, einer der Mitbegründer des ETH Start-ups SnowHaze. Der Faktor Mensch spiele bei der IT-Sicherheit eine entscheidende Rolle, insbesondere wenn es darum geht, Spam-Mails mit Anhang nicht zu öffnen, schätzte Krämer, der das gesamte Gesundheitswesen vor einem echten Paradigmenwechsel sah. Schilliger zeigte ebenfalls auf, wie Menschen Datensicherheit im alltäglichen Handeln teilweise fahrlässig unterwandern und damit leichtfertig die Möglichkeit eines Cyberangriffs schaffen. «Datenlecks, unsichere Geräte und invasive Tracker gibt es überall», erklärte Schilliger, der in einem Hotspot-Experiment mit den Besuchern während dem DEF Tausende Verbindungen hätte manipulieren können.

    Für Valerio Roncone, Head Future Business SIX, sind die digitalen Veränderungen fundamental, tiefgreifend und unter Umständen disruptiv. Das bringe erhöhte Anforderungen an Sicherheit und Stabilität mit sich und fordere erhöhte Aufmerksamkeit, erklärte Roncone. Tino Hellmund, Head Client Service Management SIX, machte deutlich, dass 2027 die neue Generation «Alpha» in den Arbeitsprozess eintreten werde, die kaum mehr Bezug zu analogen Prozessen hätte. Als taugliches Mittel, um mit diesen Leuten zu kommunizieren, identifizierte er ausgeklügelte Chatbots.

    Kevin Sartori, Co-Founder der Auterion AG, ein ausgewiesener Kenner des Drohnen-Business, setzte sich massgeblich für Open Source Software als globalen Standard ein, auch zum Beispiel für die Steuerung von Drohnen. Und schliesslich erklärte der international ausgezeichnete deutsche Gedächtnistrainer Markus Hofmann in seinem Kurztraining, wie man auch in einer digitalisierten Welt Vorsprung durch Wissen erreicht, indem man Informationen schneller abrufen kann als andere. Für den jüngsten Schweizer Ständerat Damian Müller (FDP/LU) ist klar, dass für die Behörden und die Politiker grosse Anstrengungen nötig sind, um mit der Entwicklung mitzuhalten und das Potential neuer Arbeitswelten zu erkennen und verstehen.

    Einzigartige Erlebniswelt
    Als Neuheit vermittelte am DEF19 eine einzigartige Erlebniswelt greifbare Beispiele und ermöglichte das Erleben praktischer Erfahrungen mit neuen Technologien. Entwicklungen und Produkte aus der Digitalisierung standen zum Entdecken bereit: Roboter, Sensorikhandschuhe, mit Bots kommunizieren, die Kraft eines Exomuskels erleben, ein beweglicher Simulator, mit dem der Mensch das Fliegen erleben konnte und vieles mehr.

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