SAP-Kunden fordern mehr Planbarkeit

Bild: KI-generiert/it business

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Die IG SAP Schweiz hat ihre Umfrage 2025 veröffentlicht. Das Vertrauen in SAP sinkt, viele Kunden zweifeln an der Cloudstrategie und fordern mehr Offenheit und Planungssicherheit.

Die IG SAP Schweiz hat im Frühjahr 2025 ihre fünfte Kundenumfrage durchgeführt, mit ernüchterndem Ergebnis. Zwar setzen inzwischen 56 Prozent der befragten 94 Unternehmen SAP S/4HANA produktiv ein, doch nur 47 Prozent davon nutzen es exklusiv. Ein Drittel der Firmen betreibt noch SAP ECC6, teils aus strategischen Gründen, teils aus Planungsunsicherheit. Besonders bemerkenswert: 28 Prozent der Unternehmen erwägen eine ECC6 Nutzung über 2027 hinaus, trotz angekündigtem Support Ende. Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist der deutliche Vertrauensverlust gegenüber SAP. 38 Prozent der Unternehmen geben an, in den letzten zwei Jahren weniger Vertrauen in die SAP Produktstrategie gewonnen zu haben, lediglich 3 Prozent sehen eine Verbesserung. Kunden kritisieren vor allem die mangelnde Transparenz bei Produkt Roadmaps, steigende und schwer kalkulierbare Kosten sowie eine Cloud Strategie, die als zu einseitig und wenig kundenorientiert empfunden wird.

Cloudstrategie lässt Fragen offen

SAP treibt die Migration in die Cloud voran, insbesondere mit dem Angebot RISE with SAP. Doch viele Kunden erleben den Weg in die Cloud als teuer, komplex und teilweise unfreiwillig. Nur 5 Prozent der Umfrageteilnehmer nutzen derzeit RISE, weitere 22 Prozent prüfen eine entsprechende Lizenzierung. Die Mehrheit zeigt sich jedoch skeptisch: Die Preisgestaltung gilt als undurchsichtig, Lizenzmetriken als schwer verständlich und technologische Vorteile als nicht ausreichend belegt. Die aktuelle SAP Kommunikation wird oft als marketinggetrieben empfunden. Besonders im Mittelstand und unter KMU wächst der Eindruck, dass Innovationen eher der SAP Cloud Strategie als den realen Kundenbedürfnissen dienen. Gleichzeitig fehlt vielen On Premise Kunden die Perspektive: Wartungsgebühren werden weiter bezahlt, doch Innovationen fliessen fast ausschliesslich in Cloud Produkte.

Alltag mit Hürden

Ein weiteres zentrales Thema: Lizenzmodelle und Pricing. 96 Prozent der Befragten empfinden die SAP Preisliste als nicht transparent, und nur 19 Prozent sind mit Preis und Leistung ihrer aktuellen Verträge zufrieden. Komplexe Metriken, automatische Preiserhöhungen und fehlende Planbarkeit erschweren Investitionsentscheidungen. Die Nutzung externer Tools wie Salesforce, Power BI oder Workday ist weit verbreitet, auch als Reaktion auf die Einschränkungen und Kosten im SAP Umfeld. Die Qualität im Support wird durchwachsen bewertet: Die Zufriedenheit mit SAP selbst ist seit 2023 um 30 Prozentpunkte gesunken (von 77 Prozent auf 47 Prozent). Gleichzeitig steigt die Bedeutung der SAP Partner. Diese werden als verlässlicher erlebt, mit hoher Konstanz und tendenziell positiver Bewertung der Servicequalität.

Fazit der IG SAP Schweiz

Die Kunden sind bereit zur Transformation, aber nicht zu jedem Preis. Die Community fordert nachvollziehbare Roadmaps, faire Lizenzmodelle und echte Partnerschaft auf Augenhöhe. Besonders KMU wünschen sich mehr Orientierung, mehr Transparenz und Lösungen, die sich am operativen Bedarf orientieren, nicht an SAP interner Zielerreichung. Mit Blick auf den nächsten Meilenstein, das definierte Ende von SAP ECC6 im Jahr 2027, besteht dringender Handlungsbedarf. Die Umfrage 2025 der IG SAP CH ist ein Weckruf: SAP muss liefern, nicht nur versprechen. Die Schweizer SAP Anwender sind wachsam, gut vernetzt und bereit, die Diskussion weiter kritisch zu führen. (aso)

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