Mit intelligenter Datenstrategie zum klimaneutralen Unternehmen?

Mathias Golombek, Chief Technology Officer von Exasol (Bild: Exasol)

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Können digitale Daten den Klimawandel aufhalten und die Welt retten? Ganz so weit geht die Macht der Digitalisierung sicher nicht ganz. Was sie aber kann: Unternehmen dabei unterstützen, klimafreundlicher zu wirtschaften, sofern diese ihre Daten strategisch nutzen und auswerten. Wie aber findet eine Firma den Weg zu einer solchen Datenstrategie – und was bringt sie?

Naturkatastrophen häufen sich, das Artensterben schreitet in Riesenschritten voran und Afrika wird als erster Kontinent vermutlich bereits vor dem Jahr 2040 gletscherfrei sein. Auch wenn es niemand gerne hört: Der Klimawandel wird in den nächsten Jahrzehnten das beherrschende Thema für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft sein. Um diese Probleme zu lösen, kommt es auf jeden Einzelnen an. Das betrifft auch die Verbraucher, die sich langsam ihrer Verantwortung bewusst werden – und die Unternehmen in die Pflicht nehmen. So gaben 85 % der Befragten in der Exasol-Studie „Data for Good: Corporate Responsibility beginnt mit Daten“ an, dass es ihre Kaufentscheidung beeinflusst, ob sich ein Unternehmen gegen den Klimawandel und für nachhaltiges Wirtschaften engagiert – oder eben nicht. Langfristig hat diese Einstellung grosse Auswirkungen auf unternehmerisches Handeln. Denn die Verbraucher fordern viel und sind nicht mehr bereit, sich allein auf die Aussagen der Anbieter zu verlassen, bei denen sie bisher gekauft haben. Sie wünschen sich „Hard Facts“ als Entscheidungshilfe im Kaufprozess. So verlangen laut Studie rund zwei Drittel der Verbraucher (68 %) in den nächsten 36 Monaten datengestützte Nachweise, welche die positiven Beiträge von Anbietern zu den Themen Klimawandel, Diversität, Integration sowie zu ethischen und nachhaltigen Geschäftspraktiken belegen. Sollten diese Belege ausbleiben, würden die Befragten zu Konkurrenten wechseln – so zumindest ihre Aussage.

Klimaneutrales Handeln als entscheidender Erfolgsfaktor

Wie es scheint, begreifen die Unternehmen selbst auch, wie entscheidend es ist, ihre Klimabemühungen für Aussenstehende besser nachvollziehbar zu machen. 82 % der CSR-Entscheidungsträger in Unternehmen fordern daher laut Report einen datengestützten Ansatz für ihre Nachhaltigkeitsziele – und Zugriff auf die entsprechenden Daten. Das Problem: Noch nicht einmal die Hälfte der Unternehmen (42 %) kann einen vollständig ausgearbeiteten, geschweige denn datengestützten Plan vorweisen, der die Einführung von klimafreundlicheren Geschäftspraktiken in den nächsten 36 Monaten sicherstellt. Doch an welchen Stellen könnte eine smarte Datenstrategie helfen, Unternehmen in Richtung Klimaneutralität zu optimieren? Dazu gibt es zahlreiche Ansätze: Je nach Branche kann es entscheidenden Einfluss haben, zunächst die Logistik unter die Lupe zu nehmen: Sind die Transportwege von Rohwaren und Produkten vom Unternehmen optimal organisiert? Lässt sich bei der Verpackung Volumen oder Gewicht einsparen, was sich sofort positiv auf die Co2-Bilanz der Produkte auswirkt? Wieviel Prozent meiner Rohwaren beziehe ich regional und wäre es möglich, diese Quote zu erhöhen? Kann ich auf recycelte Rohwaren zurückgreifen, um gebrauchte Materialien im Wirtschaftskreislauf zu halten? Auch intern können Daten helfen, beispielsweise die grössten Energiefresser im Unternehmen ausfindig zu machen und zu prüfen, ob sie ersetzt werden können. Um solchen „Klimasündern“ auf die Spur zu kommen, reicht es allerdings nicht, einfach nur alles an Daten zu sammeln, was im Unternehmen so aufläuft. Entscheidend ist eine intelligente Auswertung, die es – beispielsweise durch die Einbindung Künstlicher Intelligenz – langfristig sogar möglich macht, Aussagen für zukünftige Entwicklungen zu treffen. Dafür müssen Unternehmen sich aber erst einmal fit machen und eine organisationsweite Datenstrategie entwickeln. Um dies erfolgreich umzusetzen, sollten sie branchenunabhängig einige grundlegende Entscheidungen treffen. Will ein Unternehmen seine Klimabemühungen datenbasiert vorantreiben, gilt es zunächst einen Verantwortlichen zu bestimmen, der auf Managementebene alle Fäden der künftigen Datenstrategie und -nutzung in der Hand hält. Je nach Grösse des Unternehmens kann es sinnvoll sein, die Position des Chief Data Officers (CDO) zu schaffen. Wer auch immer diese Rolle ausfüllt – egal mit welchem Jobtitel – sollte dabei nicht nur Erfahrung im Bereich Data Analytics vorweisen können, sondern auch über entsprechende Softskills – wie beispielsweise Kommunikationsfähigkeit oder Führungsqualitäten – verfügen, damit die Strategie am Ende auch erfolgreich unternehmensweit etabliert, kommuniziert und gelebt wird.

Nur optimale Technologie macht zielführende Auswertungen möglich

Die erste Aufgabe in dieser Position wird es sein, sich mit den technischen Voraussetzungen im Unternehmen vertraut zu machen und für eine Infrastruktur zu sorgen, die auch in der Lage ist, Daten rasch, sicher und zuverlässig zu verarbeiten – selbst wenn beispielsweise hunderte Mitarbeiter gleichzeitig auf die Daten zugreifen. Unabhängig davon, wo die Daten am Ende gespeichert werden – Public und Private Cloud oder On Premise – entscheidend ist eine hoch performante Datenbanklösung als Basis. Gerade Lösungen, die mit In-Memory-Technologie arbeiten, wie beispielsweise Exasol, sind hier im Vorteil. Ihre Verarbeitungsgeschwindigkeit ist bis zu hundertmal höher als die von anderen Systemen.  Der CDO und die technologische Basis alleine wird es in Sachen Datenanalysen allerdings nicht richten: Ziel muss es sein, dass am Ende jeder Mitarbeiter in seinem Bereich selbst in der Lage ist, bis zu einem gewissen Level Daten auszuwerten und aus den Ergebnissen Schlüsse zu ziehen. Diese Vision einer umfassenden Datenbildung wird auch Data Literacy genannt. Als relativ junge Disziplin ist Data Analytics noch nicht Teil der schulischen (oder universitären) Ausbildung; die Unternehmen müssen also eigenverantwortlich dafür sorgen, dass die Mitarbeiter flächendeckend geschult werden – immer im Hinblick auf das Arbeitsgebiet, in dem sie arbeiten. Die Mühe wird sich auszahlen: Wenn am Ende alle Verantwortlichen, die in den auf Nachhaltigkeit fokussierten Abteilungen arbeiten - beispielsweise in der Logistik oder der Produktion - in der Lage sind, Handlungen in ihrem Verantwortungsbereich datenbasiert im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit auszuwerten, hat ein Unternehmen unzählige Stellschrauben, die in Richtung Klimaneutralität gedreht werden können.