Eine Studie mit 26'811 Schülern zeigt die Kehrseite von KI im Unterricht. SwissAI fordert nun Konsequenzen für Schulen und Prüfungen.
Eine Studie mit 26'811 chinesischen Schülern zeigt ein unangenehmes Muster. Mit generativer KI wurden Hausaufgaben besser und schneller erledigt. Die Ergebnisse bei den Hausaufgaben verbesserten sich um 18 Prozent, gleichzeitig sank der Zeitaufwand um 30 Prozent. Bei Prüfungen ohne Hilfsmittel zeigte sich später das Gegenteil. Nach sechs Monaten lagen die Resultate 20 Prozent tiefer. Besonders deutlich waren die Einbussen bei Schülern, die einen grossen Teil der Denkarbeit der KI überliessen. Wer sich weiter selbst mit den Aufgaben auseinandersetzte, schnitt besser ab. Entscheidend ist also nicht die KI selbst, sondern wie stark sie das eigene Denken ersetzt. Der Schweizer KI-Anwenderverband SwissAI fordert Bund und Kantone deshalb zum Handeln auf. Noch 2026 soll ein nationaler Bildungsdialog starten. Im Kern geht es um eine einfache Frage: Was müssen Schüler auch mit KI noch selbst können? Das betrifft auch Prüfungen. Wenn ein fertiges Resultat immer leichter mit KI entsteht, wird wichtiger, wie ein Schüler zu diesem Resultat gekommen ist. SwissAI schlägt deshalb unter anderem mündliche Prüfungen, dokumentierte Arbeitsprozesse sowie Leistungsnachweise mit und ohne KI vor. Auch Quellenprüfung, Datenschutz und der Umgang mit Deepfakes sollen früher in den Unterricht. Andere Länder reagieren bereits. In Peking sind seit Herbst 2025 mindestens acht Stunden KI-Unterricht pro Schuljahr vorgesehen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben KI in den Lehrplan aufgenommen, Südkorea setzt auf KI-gestützte Lehrmittel. China legte im Frühjahr 2026 zusätzlich einen nationalen Aktionsplan für KI und Bildung vor. Für die Schweiz wird die Sache damit ziemlich konkret. KI wird aus dem Schulalltag nicht mehr verschwinden. Die eigentliche Aufgabe ist deshalb, festzulegen, wo sie helfen darf und wo Schüler selbst denken müssen. (aso)