Eine aktuelle Studie der HSLU zeigt: KI-Phishing-Simulationen verbessern das Risikoverhalten von Mitarbeitenden deutlich. Effektives Awareness hat zwei Ströme: Trainings prägen die Einstellung, praktische Übungen das Verhalten. Beides ist notwendig – wie auch im Eishockey.
Was Cybersecurity Awareness und Schweizer Eishockey gemeinsam haben? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde – denn in beiden Fällen macht die richtige Kombination aus Training und praktischer Erfahrung den Unterschied.
Eishockey als Analogie
Die Schweiz verfügte schon lange über hervorragende Trainer. Der Aufstieg des Schweizer Eishockeys in die Weltspitze nach 2004 war jedoch nicht allein ihr Verdienst. Trainer vermittelten Know-how und arbeiteten an der Einstellung der Spieler. Den entscheidenden Qualitätssprung brachten jedoch die NHL-Stars, die während des Lockouts 2004/05 quasi die ganze Saison in der Schweiz spielten. Ihre Präsenz führte dazu, dass einheimische Spieler ihr Verhalten nachhaltig verbesserten – das Niveau stieg dauerhaft.
Parallelen zu Cybersecurity Awareness
Ein ähnliches Bild zeigt die HSLU-Studie «Leveraging AI-enabled spearphishing to enhance cybersecurity»1. Untersucht wurde die Wirksamkeit von KI-/OSINT-gestützten Spearphishing-Simulationen im Vergleich zu klassischen Awareness-Massnahmen, herkömmlichen Phishing-Übungen und normativem Training. Hintergrund: Phishing bleibt auch 2025 das grösste Einfallstor für Cyberangriffe, während Kriminelle längst routinemässig KI einsetzen.2,3
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| Die HSLU-Studie beweist: Nachhaltige Awareness entsteht nur durch die Kombination von Trainings und simulierten Angriffen. |
Zentrale Ergebnisse
- Personalisierte KI-Phishing-Übungen sind am wirksamsten für das Verhalten und zugleich am kostengünstigsten.
- KI/OSINT-Simulationen verbessern gemäss der Studie das Risikoverhalten um 60 Prozent gegenüber herkömmlichen Phishing-Übungen.
- Normatives Training beeinflusst vor allem Wahrnehmung und Verantwortungsbewusstsein – also die Einstellung.
- Kombination beider Ansätze (Verhalten & Einstellung) ist notwendig, um nachhaltige Awareness zu erzielen.
- Zeitfaktor: Bereits nach fünf Monaten verlieren einmalige Kampagnen ihre Wirkung. Wer lediglich zwei Kampagnen pro Jahr durchführt, muss jedes Mal von Grund auf neu beginnen und verschenkt den kontinuierlichen Lerneffekt.
Nachhaltiger Effekt wie im Sport
Der Vergleich zum Schweizer Eishockey macht es greifbar: Trainer stärkten das Mindset, die NHL-Profis verbesserten das Verhalten. Das Ergebnis: In den 20 Jahren vor 2004 erreichte die Schweiz nur zweimal die Top Fünf bei Weltmeisterschaften. In den 20 Jahren danach gelang dies achtmal, darunter vier Silbermedaillen4.
Fazit
Die HSLU-Studie zeigt klar auf: Für Unternehmen gilt dasselbe Prinzip. Nur die laufende Wiederholung und Kombination aus normativem Training (Attitüde/Mindset) und Simulation (Verhalten) schaffen eine nachhaltige Sicherheitskultur. Wer Awareness-Kampagnen regelmässig und kombiniert durchführt, kann ähnlich beeindruckende Fortschritte erzielen wie das Schweizer Eishockey nach 2004. ■
