Grüne Trends bei Rechenzentren

  Niels Gründel

    Die meisten neu errichteten Rechenzentren folgen dem grünen Trend. Google plant jetzt ein Rechenzentrum in den Niederlanden, das 2017 mit Windrädern an den Start gehen soll. 

    Die weltweit führenden IT-Konzerne machen sich nicht nur gegenseitig Konkurrenz. Druck bekommen sie seit einiger Zeit auch von Greenpeace. Apple musste sich einst für seine «dirty iCloud» beschimpfen lassen, hat inzwischen aber ein Versprechen abgegeben, die Versorgung der eigenen Rechenzentren umzustellen und nur noch Strom aus erneuerbarer Energie zu beziehen. Im letzten «Cool-IT»-Ranking von Greenpeace aus dem Jahr 2013 lagen Cisco und Google an der Spitze, gefolgt von Ericsson und Fujitsu. Untersucht wurden auch Dell, HP und Microsoft; Apple, Amazon, Ebay oder Facebook dagegen nicht. Oracle und Tata Communication Services (TCS) sind wegen zu schlechter Werte unberücksichtigt geblieben, waren aber im «Cool-IT»-Ranking zuvor noch mit dabei.

    Der Report beurteilt, wie weltweit agierende IT-Unternehmen regenerative Energien nutzen. Bewertet wird auch das öffentliche Eintreten für einen Wandel in der Energiepolitik. Zudem spielt die Entwicklung von Lösungen eine Rolle, die zur Energieeinsparung beitragen. Google will die eigene Position behaupten und hat zuletzt in Schweden Verträge geschlossen, welche die Stromlieferung für sein Rechenzentrum im südfinnischen Hamina sicherstellen. 2009 hatte der Suchkonzern dort eine ehemalige Papierfabrik erworben und in ein Rechenzentrum umgewandelt. Zu Jahresbeginn hat sich das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) mit 51 Prozent an den vier Windparks in Südschweden beteiligt, die den Strom für Google im benachbarten Finnland liefern. Der bisherige Eigentümer der Windparks hat mit Google einen exklusiven Liefervertrag über eine Mindestlaufzeit von zehn Jahren abgeschlossen. Für das Jahr 2017 ist der Start eines neuen Rechenzentrums unweit eines Windparks im niederländischen Delfzijl geplant. Der Windpark an der Emsmündung kombiniert Onshore- und Offshore-Windräder miteinander. Im Ergebnis sollen 19 Turbinen 62 Megawatt Strom produzieren. Der Betriebsbeginn für die Windräder ist bereits für 2016 vorgesehen. Google hat einen Vertrag mit dem niederländischen Energieversorgungsunternehmen und Betreiber des Windparks Eneco unterzeichnet, der eine Komplett-Lieferung des Stroms aus der Anlage vorsieht. Die Laufzeit soll auch hier zehn Jahre betragen. Das Rechenzentrum selbst entsteht in Eemshaven, gut 200 Kilometer von Amsterdam entfernt. Dort befindet sich mit einem bedeutenden Transatlantikkabel ein wichtiger Knotenpunkt für das Internet. Die Baukosten für das Rechenzentrum liegen bei 600 Millionen US-Dollar. 150 Mitarbeiter sollen später den Betrieb sicherstellen.

    HP nutzt schlechtes Klima
    Rechenzentren an Küstenregionen sind nicht ganz ungewöhnlich. HP hat vor einiger Zeit ein Datenzentrum in Wynyard bei Middlesbrough in Betrieb genommen. Der Standortwahl vorausgegangen war eine Auswertung der Wetteraufzeichnungen der zurückliegenden 100 Jahre. Dabei hat sich herausgestellt, dass Wynyard ideale Voraussetzungen für ein luftgekühltes Datenzentrum bietet: Das Wetter an der englischen Nordseeküste ist zuverlässig schlecht. Riesige Ventilatoren schaufeln die kalte Luft durch Schleusen in das Rechenzentrum. Staub und Schwebeteilchen werden gefiltert und die kalte Luft dann in einen grossen Raum unterhalb der Serverracks geführt. Aus dem «Supply Plenum» genannten Raum strömt die Luft nach oben und wird durch die Server geleitet. Oben angekommen wird sie wieder aus dem Rechenzentrum geführt oder der Frischluft beigemengt, um auf eine konstante Temperatur von 24 °C zu kommen. Sogar das Regenwasser wird gesammelt, aufbereitet und insbesondere für die Klimageräte verwendet. 80 000 Liter können insgesamt gesammelt werden, wobei die Kosten etwa denen der Trinkwasserversorgung entsprechen. Das Rechenzentrum von HP in Wynyard ist ein hochsicheres Tier-3-Rechenzentrum, in dem das britische Verteidigungsministerium Datenverarbeitung betreibt. Die Luftkühlung sorgt dafür, dass der Jahresenergieverbrauch pro Rechenleistung extrem niedrig ist.

    Serverraum mit 35 °C
    Google treibt auch Konzepte für Datenzentren voran, die ganz im Sinne von Greenpeace sind. Ein älteres Designkonzept aus dem Jahr 2007, für das ein Patentantrag gestellt wurde, sieht Rechenzentren auf offener See vor. Die Rechenzentren können mobil versetzt oder dauerhaft etwa auf Schiffen stationiert werden. Die Kühlung soll unmittelbar über die kalte Umgebungstemperatur erfolgen oder durch Klimaanlagen direkt dem Meer entzogen werden. Den Strom sollen hydraulische Anlagen mithilfe der Wellenbewegungen des Meeres erzeugen. Bis zu 40 Megawatt lassen sich auf diese Weise gewinnen. Ein sehr ähnliches Konzept namens Project Blackbox wurde von Sun entwickelt. Das «Sun Modular Datacenter» basiert auf einem ISO-Frachtcontainer, der 280 Servern Platz bietet. Die Erstellungskosten für ein Rechenzentrum in der Box sollen bei nur 1 % eines herkömmlichen Rechenzentrums liegen. Im belgischen Saint-Ghislain, südlich von Brüssel, hat Google bereits 2010 ein Rechenzentrum eröffnet, das auch heute noch als besonders energiesparend gilt. In der Region ist es meist ohnehin kühl. Die Server werden unmittelbar wassergekühlt. Dafür besitzt Google eine eigene Anlage zur Wasseraufbereitung auf dem Gelände. Das Wasser wird einem nahe gelegenen Industriekanal entnommen. Die Serverräume selbst werden aber nicht auf eine konstante Temperatur gekühlt; die Mitarbeiter können sich dort aufhalten, solange die Temperaturen nicht unangenehm hoch sind, und ihren übrigen Arbeiten in klimatisierten Bereichen nachgehen. Den Servern machen dort erfahrungsgemäss auch 35 °C nichts aus. Im Jahr 2013 hat Google für seinen Standort in der Wallonie eine Erweiterung für 390 Millionen US-Dollar angekündigt.

    Alles möglich:
    Abgelegen und zentral
    Als kalte Region hat Island einen natürlichen Vorteil. Die niedrigen Aussentemperaturen sorgen für die Kühlung und das Land selbst bezieht 100 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft und Geothermie. Verne Global, ein britischer Entwickler und Betreiber von Rechenzentren hat ein weltweit erstes emissionsfreies Rechenzentrum für geschäftskritische Daten in Island in Betrieb genommen. Colt hat in Grossbritannien für den Start eine 500 Quadratmeter grosse Rechenzentrumsanlage gebaut, die nach Keflavik in Island verschifft und dort auf einem ehemaligen NATO-Stützpunkt innerhalb von wenigen Wochen montiert wurde. Der Standort des Rechenzentrums von Verne Global liegt strategisch optimal. Die Kunden profitieren von Islands einzigartigen Energiequellen, bestehend aus 100 Prozent Erdwärme und Wasserkraft, und von niedrigeren Energiepreisen als im übrigen Europa sowie von Hochgeschwindigkeitskabeln nach Europa und Nordamerika. In Paris ist vor einigen Jahren das Condorcet-Rechenzentrum entstanden, das besonders hohen Ansprüchen bei der Energieeinsparung genügen soll. Es ist bereits das dritte Rechenzentrum der TelecityGroup im Herzen der französischen Hauptstadt. Auf 3400 Quadratmetern Fläche werden zahlreiche Möglichkeiten zur Energieeinsparung genutzt. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Rechenzentrum spart die Anlage nach Betreiberangaben jährlich 28 Millionen Kilowattstunden Strom oder 2500 Tonnen CO2. Ungewöhnlich ist die Nutzung der Abwärme für ein angeschlossenes Arboretum. Dort herrschen die mutmasslichen klimatischen Bedingungen des Jahres 2050, damit man die Auswirkungen des Klimawandels erforschen kann. Die Société Forestière und das Institut National de la Recherche Agronomique (INRA) nutzen das Arboretum, um Pflanzen aus der ganzen Welt auszuwählen, die mit den künftigen Anforderungen an die hiesigen Umweltbedingungen am besten zurechtkommen.

     

     

    Soziale Netzwerke

     

    Fractal Verlag GmbH

      +41 61 683 88 76

      Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!