Genf und Zürich gehen die Digitalisierung gemeinsam an

18. Dezember 2017
UZH-Rektor Michael Hengartner und Yves Flückiger, Rektor der Universität Genf. UZH-Rektor Michael Hengartner und Yves Flückiger, Rektor der Universität Genf. Bild: UZH

    Die Universitäten Zürich und Genf gehen die Herausforderung des digitalen Wandels gemeinsam an: Mit einer strategischen Partnerschaft arbeiten sie bei der Digitalisierung verstärkt in Lehre und Forschung zusammen und fördern den Studierendenaustausch.

    Der digitale Wandel verändert die globale Gesellschaft tiefgreifend. Er wirkt sich auf unsere Arbeitsformen und Privatsphäre, den Datenschutz oder demokratische Prozess aus. Universitäten sind gefordert Lehre und Forschung an künftige Bedürfnisse anzupassen. Daher haben die Universitäten Zürich (UZH) und Genf (UNIGE) im Dezember 2017 eine strategische Partnerschaft vereinbart, um Herausforderungen der Digitalisierung für die Gesellschaft zu erforschen und Lösungsansätze für die Gesellschaft zu entwickeln. Ziel dieses Abkommens ist es, die Zusammenarbeit im Bereich Bildung und Forschung zu intensivieren, den Studierendenaustausch zwischen den beiden Hochschulen auszubauen oder gemeinsam Projekte bei europäischen Forschungsprogrammen einzureichen. Als Anstossfinanzierung für künftige Projekte stellen die beiden Universitäten zusammen 400’000 Franken zur Verfügung.

    Digitalisierung mitgestalten
    «Als Universität können und wollen wir die Digitalisierung mitgestalten. Daher ist diese strategische Partnerschaft mit der Universität Genf für uns eine hervorragende Gelegenheit, unsere Zusammenarbeit in diesem Bereich in der Schweiz weiter auszubauen und gemeinsam Forschung und Lehre zu stärken. Wir sehen in vielen Bereichen sehr grosses Potential», sagt Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich.

    «Volluniversitäten wie die Universitäten Genf und Zürich müssen den gesellschaftlichen Wandel mit einer akademischen und interdisziplinären Reflexion begleiten und dazu beitragen, den digitalen Nutzen zu optimieren und die Risiken zu vermeiden», erklärt Yves Flückiger, Rektor der Universität Genf. Die Digitalisierung dürfe nicht nur als technologischer Fortschritt, sondern auch als gesellschaftliche Herausforderung verstanden werden.

    «Digital Society Initative» und «Smart Cities»
    Die beiden Universitäten verfolgen bereits Strategien zum digitalen Wandel: Die UZH verfügt mit der «UZH Digital Society Initiative» über ein breit angelegtes Wissenszentrum für Digitalisierung. Es umfasst verschiedenste Bereiche wie Recht, Gesundheit, Demokratie, Wirtschaft sowie die Förderung technischer Entwicklungen und ein entsprechendes Netzwerk von interessierten Forschenden. Sie identifiziert strategische Forschungsgebiete, die ausgebaut werden sollen entwickelt neue Lehrinhalte für Digitalisierungsthemen und führt den Dialog mit der Öffentlichkeit zu Chancen und Risiken der Digitalisierung. Zudem besteht seit mehreren Jahren ein Forschungsschwerpunkt zu Sozialen Netzwerken.

    Die Universität Genf führt gerade eine grosse Umfrage durch, um ihre Digitalisierungsstrategie besser auf die internen Bedürfnisse und die Erwartungen von aussen auszurichten», erklärt Jacques de Werra, als Prorektor der UNIGE zuständig für die digitale Universität. In den Städten Genf und Zürich zum Beispiel sind den Wissenschaftlern grosse Datenvolumen frei zugänglich – ideal, um Forschungsprojekte zu intelligenten Städten aufzubauen. «Smart Cities» ist neben «Citizen Science», der Digitalisierung in der Medizin und in der Demokratie sowie Rechtsfragen im Cyberspace einer der Schwerpunkte der strategischen Zusammenarbeit.

    Neue Etappe für «Citizen Science»
    Beide Universitäten beteiligen auch bereits interessierte Privatpersonen in einzelne Forschungsprojekte mit ein. Das Ziel bei diesen Bürgerwissenschaften «Citizen Science» ist es, die Forschung vom Sammeln und Bearbeiten von Rohdaten auf eine neue Stufe zu heben und die Bürgerinnen und Bürger auch bei der Bestimmung der Forschungsprojekte mitwirken zu lassen. Beide Universitäten verfügen dabei über kompetente Zentren: Das «Zurich Citizen Science Center», eine Partnerschaft der UZH und der ETH Zürich, und das «Citizen Cyberlab». Dieses wurde von der UNIGE, dem CERN und dem UNITAR (United Nations Institute for Training and Research) gemeinsam entwickelt. Aufgrund der Partnerschaft angedacht ist auch ein neues, gemeinsames Digital Society Policy Institute.

    Die strategische Partnerschaft
    Die strategische Partnerschaft der UZH und der UNIGE fördert den Dialog zwischen zwei Städten und Regionen. In der Lehre ermöglicht die Zusammenarbeit einen intensiveren Informations- und Studierendenaustausch und eine gemeinsame Betreuung der Doktorarbeiten. Im Bereich Wissenschaft werden der Austausch zwischen jungen Forschenden, der Transfer akademischer, wissenschaftlicher und technischer Daten sowie die gemeinsame Entwicklung von Forschungsprojekten im Rahmen europäischer Finanzierungsprogramme erleichtert. Ebenfalls geplant sind virtuelle Klassen an beiden Universitäten sowie gemeinsame Konferenzen und Seminare zu spezifischen digitalen Themen.

    Die beiden Universitäten sind bereits als einzige Vertreter der Schweiz Mitglied bei LERU, einem Netzwerk von 23 forschungsstarken Universitäten aus zehn verschiedenen europäischen Ländern. Sie ist eine gewichtige Stimme im europäischen Hochschulraum und setzt sich ein für gute Rahmenbedingungen für Forschung, insbesondere Grundlagenforschung, und Lehre.

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